Modul 5 · ~60 Minuten
Das Purchasing Chessboard
Das Kearney-Framework, dessen Link man dir mitgeschickt hat: 64 Methoden, um Kosten zu senken und Wert mit Lieferanten zu schaffen â sortiert auf einem Schachbrett aus zwei Machtachsen. Es ist das Vokabular des strategischen Einkaufs. Hier erkundest du es interaktiv.
5.1Die Logik des Bretts
Kearney entwickelte das Chessboard ab 2005 aus einer bewusst simplen Beobachtung: Was schon auf den Basaren von Babylon galt, entscheidet Verhandlungen bis heute â Wer hat mehr Macht: Anbieter oder Nachfrager? Daraus spannen sich zwei Achsen:
- Nachfragemacht (x-Achse, links â rechts): Wie attraktiv und bĂŒndelbar ist dein Einkaufsvolumen fĂŒr den Markt?
- Angebotsmacht (y-Achse, unten â oben): Wie stark sind die Lieferanten â Monopol, Patente, exklusiver Marktzugang?
Die vier Quadranten ergeben vier Grundstrategien, jede verfeinert in 4 Hebel Ă 4 Methoden = 4 â 16 â 64:
5.2Das interaktive Schachbrett
Alle 64 Methoden, angeordnet wie im Original (Feld A1 unten links bis H8 oben rechts; jeder Hebel belegt einen 2Ă2-Block, erkennbar an den Trennfugen). Klicke ein Feld fĂŒr die ErklĂ€rung, filtere per Strategie-Chip oder suche frei:
đ WĂ€hle ein Feld auf dem Brett â oder tippe in die Suche, um Methoden zu finden.
đ Alle 64 Methoden als Liste (nach Hebeln gruppiert)
5.3Mini-Tool: Wo steht deine Warengruppe?
Das Brett benutzt man je Warengruppe (nicht je Firma): MachtverhĂ€ltnis einschĂ€tzen â Quadrant â Hebel wĂ€hlen. Probier es:
Deine Nachfragemacht? (Volumen groĂ & bĂŒndelbar, attraktiver Kunde?)
Angebotsmacht der Lieferanten? (Monopol/Oligopol, Patente, Allokation?)
5.4Anwendung in der Praxis
- Beschaffungsumfang klug schneiden. Buch-Beispiel Kokerei: Man kann die komplette Anlage, zwei Prozessanlagen oder sechs Komponenten einzeln vergeben â jede Gliederung erzeugt andere MachtverhĂ€ltnisse. Es gibt kein ârichtig", nur bewusste Wahl.
- Je Warengruppe die zwei Machtfragen stellen â Quadrant â Hebel â Methode(n). Methoden sind ein Reservoir und werden kombiniert.
- Portfolio-Blick (âFingerabdruck"): Alle Warengruppen auf dem Brett ergeben ein Muster, das zeigt, welche FĂ€higkeiten der Einkauf wirklich braucht.
- Wirkungs-Claim von Kearney: Anwender verdoppeln im Schnitt ihre Einsparungen. (Berater-Zahl â aber das Framework ist de facto Branchenstandard.)
Kearneys Lieblingsbeispiel: Apple unter Tim Cook nutzt seine enorme Nachfragemacht selten zum bloĂen PreisdrĂŒcken, sondern spielt âoben rechts": prĂ€skriptive Partnerschaft (eigene Experten und Werkzeuge in den Fabriken der Auftragsfertiger) â und mutige ZĂŒge wie die Adaption von CNC-FrĂ€sen fĂŒr Unibody-GehĂ€use, inklusive jahrelangem Aufkauf fast der gesamten CNC-WeltkapazitĂ€t. Lieferanten vergleichen die Zusammenarbeit mit den Navy Seals: brutal fordernd, aber kompetenzsteigernd.
5.5Warum dir das Board bei Tacto stÀndig begegnet
Lege Tactos Produktmodule (Modul 1) neben das Brett, und es passt verblĂŒffend genau â Tacto digitalisiert vor allem die untere BretthĂ€lfte, in der datengetriebene Einkaufsarbeit lebt:
| Chessboard-Methode (Feld) | Tacto-Feature |
|---|---|
| Spend transparency (D3) & Master data management (C3) | Spend-&-Cost-Dashboards; Lieferanten-/Artikelstammdaten als Plattform-Fundament |
| Cost data mining (C4) & Commercial data mining (ganzer Hebel) | Preisentwicklungs-Analysen, Savings-Tracker, Warengruppen-KPIs |
| RFI/RFP process (E4) & Tendering (Hebel) | Sourcing-Modul: RFQs, automatisches Angebots-Parsing, Vergleich |
| Cost-based price modeling (G1) / Linear performance pricing (H1) | Should-Cost-Modelle fĂŒr Zeichnungsteile (Rohstoff + Fertigung + Marge) |
| Leverage market imbalances (H4) & Price benchmark (G3) | Verhandlungs-Cockpit mit 20.000+ Rohstoff-Indizes und Benchmarks; âDefender"-Agent kontert Preiserhöhungen |
| Sustainability management (F7) & Bottleneck/Risk management (A5) | Compliance-Modul: LkSG, COâ, Risiko-FrĂŒhwarnung |
| Supplier consolidation (C2), Bundling (C1/D1) | BĂŒndelungs-Agent, Multi-Source-Agent, Warengruppen-Analysen |
Das Chessboard ist auch eine Landkarte fĂŒr Agenten-Use-Cases: Jede Methode der unteren BretthĂ€lfte ist im Kern âDaten sammeln â analysieren â Empfehlung formulieren" â genau die Arbeit, die Agenten ĂŒbernehmen können. Wenn dir ein CVM oder Kunde einen Schmerz beschreibt, frag dich: Welches Feld des Bretts ist das â und was brĂ€uchte ein Agent, um diesen Zug zu spielen? Damit sprichst du sofort die Sprache von Produkt UND EinkĂ€ufer.
5.6Das Buch: kaufen oder nicht?
đ Das Buch
The Purchasing Chessboard: 64 Methods to Reduce Costs and Increase Value with Suppliers â Schuh, Raudabaugh, Kromoser, Strohmer, Triplat, Pearce. Aktuell: 3. Auflage, Springer 2017 (Hardcover ISBN 978-1-4939-6763-6, eBook 978-1-4939-6764-3, 247 S.).
Bezug: Springer (eBook ~âŹ53, Hardcover ~âŹ70, oft rabattiert), Amazon.de. Deutsches Original: âDas Einkaufsschachbrett" (Gabler 2008) â antiquarisch bzw. als Springer-eBook.
đ Kostenlos verfĂŒgbar
Die Kearney-Seite (dein zugeschickter Link) enthĂ€lt das komplette interaktive Brett mit allen 64 Methodentexten plus Unterseiten zu Strategien und Hebeln â inhaltlich die Essenz. Dieses Modul basiert genau darauf.
Empfehlung: FĂŒr den Start reicht dieses Modul + der Kearney-Link vollstĂ€ndig. Das Hardcover (~âŹ70) lohnt sich, wenn du die ausfĂŒhrlichen Fallstudien und Branchenbeispiele willst â als Procurement-Neuling bei Tacto keine schlechte Investition, aber kein Muss fĂŒr Mittwoch. Eleganter Move: Erst intern fragen â gut möglich, dass Exemplare im BĂŒro stehen, wenn Tacto den Link an neue Builder verschickt.